mein Kommentar zu Hermes Trismegistos

Am Liebsten ließe ich den Trismegistos völlig unkommentiert, aber um Mißverständnisse auszuschließen, gebe ich ein paar Hinweise:
Das Werk Trismegistos gilt als Grundlage der Alchemie, vor allem die Tabula soll alle Weisheit dieser Welt enthalten. Das ist natürlich einerseits Pathos, andererseits findet sich in den abendländischen magischen Traditionen fast nichts, was sich nicht von Trismegistos ableiten läßt.

Hermes Trismegistos ist eine legendäre Gestalt, von der nicht bekannt ist, ob sie jemals lebte oder eine mystische Fiktion ist. Angeblich soll der später eingeführte Gott Hermes seinen Namen von Hermes Trismegistos, dem dreifachgroßen Menschen geerbt haben.

Die gesamte abendländische Esoterik fußt auf der Hermetik, wie die Lehren des Trismegistos zusammengefaßt heißen. (Man vergleiche und unterscheide in diesem Zusammenhang den Begriff Hermeneutik). Da es an Kommentaren und hermetischen Werken im Abendland nicht mangelt - es gibt zum Beispiel das Kybalion, das man als Auslegungswerk der Lehren Trismegistos ansehen kann - habe ich mich entschlossen, die Urtexte als Quellen hier zu veröffentlichen. Die Bücher des Hermes zählen zu den vorgnostischen Texten und wurden ein wichtiger Bestandteil der abendländischen Gnosis.

Beim Lesen könnte der Eindruck entstehen, daß Hermes' Lehren körper- und lustfeindlich sind. Dem ist mitnichten so! Hermes geht nicht von einem persönlichen Gott aus und er hält den Leib auch nicht für das Böse. Mit seiner Kritik an der "Liebe zum Leib" ist meiner Meinung nach eher die ausschließliche Selbstidentifikation mit seiner materiellen Erscheinungsform gemeint, die "Grund für die Sterblichkeit" ist.

Das Verständnis dieser Texte wird einerseits erschwert durch die mystische Tiefe, andererseits durch die deutsche Sprache des 18. Jahrhunderts. Daher gebe ich hier eine kurze Liste der Wortbedeutungen an, wie ich sie verstehe. Sprachenfreaks mögen mich bitte per Mail auf Fehler hinweisen.

Einbildung Vostellung.
Feuer, Wasser, Erde und Luft stehen immer für die tiefe mittelalterliche Bedeutung der vier Elemente.
Gemüt damit ist der Geist im platonischen Sinne gemeint.
GOTT damit ist nicht der mosaische Gott als fürsorgender und rächender Vater gemeint, sondern ein umfassendes Existenzprinzip, das primum mobile.
Welt Damit ist meist das All im hermetischen Sinne gemeint - die substanzielle Realität. Unsere Welt wird meist als Erde genannt.
wesentlich/unwesentlich meint beseelt, lebend / unbeseelt, dinghaft.
widerwärtig entgegengesetzt.
Wollust hat weniger einen sexuellen Bezug, sondern eher einen Bezug zur Gier. Vergleichbar der buddhistischen Auffassung der egoverhafteten Lebensgier als Ursache des Leidens.
Zahlen haben vielfache symbolische Verknüpfungen, die meistens astrologisch oder alchemistisch entschlüsselt werden können.


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